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LESERZUSCHRIFTEN
Wir veröffentlichen hier für einen bestimmten Zeitraum Zuschriften größeren Umfanges, die den Rahmen des Gästebuches sprengen würden.
Es schrieb an die Redaktion des Brünner Heimatboten am 22. Januar 2012 ing. Adam Hladký, Brno
Vážený pane Hanak,
se zájmem si občas přečtu informace na internetu v časopise Bruenner Heimatbote. Jsem z Brna a historie i současnost brněnských Němců i českých Němců vůbec mne zajímá. Sleduji tamní informace i snahu o udržení komunity, což ale bez zájmu o spolupráci s (možná malou, ale existující) vstřícnou částí české společnosti asi nemá budoucnost. V časopise bývají docela zajímavé články, připomínající dědictví českých Němců –někdy trochu nadnesené, ale to lze pochopit. V posledním čísle byl ale uveřejněn článek “Die Heimkehr” – svědectví jednoho z brněnských Němců o životě v Brně za první republiky a za války. Jde sice o svědectví z před 66 let, ale přece ... .
Tak třeba – mluvit o kamarádovi jako o “H.J.Kamerad” je přinejmenším hloupé – také jsem chodil do “pionýra”, ale spíš se za to stydím než abych se tím chlubil, a H.J. byla navíc poněkud “horší” organizace. Onen pán píše, že žil za první republiky v Brně jako Němec-občan 2. řádu. Ano, to byla trochu pravda. Žili v malém nájemním bytě – za to už republika nemohla. V roce 1938 byl jeho otec vyhozen z práce na nátlak českých odborářů “židovským fabrikantem” – ten Žid za to chudák nemohl, v roce 1938 se v druhé republice měli Židé podstatně hůř než Němci. A teď to hlavní: po německé okupaci 15.03.1939, se “změnil” život Němců a rodina tohoto pána “dostala” větší byt se 4 okny s obdivně popisovaným nádherným výhledem. - Všem čtenářům musí být okamžitě jasné, komu ten byt patřil, jak jej německá rodina “dostala”, a kde skončil předchozí nájemník či vlastník. A ten pán – jako chlapec – říká mamince – “zde je krásně, zde zůstaneme navždy”. “Brněnský Čech” si může škodolibě říct, že ono “auf evige Zeit” stejně jako pozdější “na věčné časy” nevydrželo, ale ... . Je opravdu únosné ( a přínosné), aby takovýto článek vyšel v časopise spolku usilujícího minimálně o akceptování pozitivního přínosu brněnských Němců svému Heimatstadt?
Hier die Antwort der Redaktion:
Sehr geehrter Herr Hladky,
daß es einen Redakteur immer freut, wenn er erfährt, daß „sein Blatt“ gelesen wird, das werden Sie verstehen. Daß es nicht zufällig stattfand, sondern daß Sie sogar „von Zeit zu Zeit“ im Brünner Heimatboten lesen, verdoppelt meine Freude. Ich kann jedenfalls daraus ableiten, daß Sie der deutschen Sprache, zumindest in ausreichendem Maße, mächtig sind. Deshalb benütze ich sie auch für diese Antwort. Daß es, wie Sie meinen, den Juden in der 2. Republik schlechter ging als in der ersten und schlechter als den Deutschen, das wage ich denn doch etwas anzuzweifeln. Es würde auch auf einen stark verbreiteten Antisemitismus schließen lassen.
Daß der Autor an einer Stelle erwähnt, mit einem „HJ-Kameraden aus Altbrünn“ durch das nächtliche Brünn in Richtung seiner alten Wohnung geschlichen zu sein verleitet Sie zu der Vermutung, nein, zu der Feststellung, daß die Hitlerjugend die schlimmere Organisation gewesen sei als Ihre Pioniere; und daß man sich dieser Mitgliedschaft eher schämen müßte als sie zu loben (was eigentlich gar nicht erfolgte). Das aus solch zeitlichem Abstand wirklich beweisen zu können, das sollten wir vielleicht doch besser den Historikern überlassen.
Aus dem geschilderten Wohnungswechsel folgern Sie, daß es sich nur um eine „Judenwohnung“ gehandelt haben könne. Dazu ist zu sagen, daß die Judenverfolgung wesentlich später einsetzte als dieser Wohnungswechsel erfolgte; nämlich erst, als sich Gestapo und SD die aus dem Altreich angereist kamen, etabliert hatten. Es kann sich also um eine durchaus aus anderen Gründen frei gewordene Wohnung gehandelt haben.
Sicher kann sich „ein Brünner Tscheche“ schadenfroh oder nicht, das bleibt ihm überlassen, sagen, daß es mit „auf ewige Zeit“ nicht klappte. Sie fragen ob es wirklich erträglich und förderlich sei, wenn „solch ein Beitrag“ in der Zeitschrift eines Verbandes erscheint, der sich minimal bemüht um die Akzeptanz positiver Beiträge der Brünner Deutschen für ihre Heimatstadt.
Diese Feststellung zeigt mir leider, daß Ihnen ein größerer Überblick über das gesamte Themenangebot „meines Blattes“ fehlt, sonst würden Sie nicht die Gesamthaltung und Gesamtrichtung des Brünner Heimatboten an einem einzigen Beitrag aufhängen und die Fülle anderer Beiträge mit völlig positiven Darstellung unerwähnt lassen. Das ist schade.
Mit freundlichen Grüßen
G. Hanak
Schriftleitung BHB
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Dr. Vlastimil Pustina schrieb uns am 8.8.2012 (Übersetzung):
Ich bin 50, Arzt, Mährer und seit dem Vorfall des Totalitarismus fühle ich mich als Europäer. Damit hat sich die Möglichkeit eröffnet wahre Informationen zu erhalten über die Kapitel unserer Geschichte, die verzeichnet und verheimlicht wurden. Schon das öffentliche Forschen nach der Wahrheit wurde zur Zielscheibe der Aufmerksamkeit und die Verbreitung von Wahrheiten, die für das Regime unangenehm waren, konnte selbst unter Kameraden geäußert, Verfolgung bedeuten.
Heimlich von meinem Vater anvertraut erfuhr ich, was man wohl von den Nachkriegs-jahren nicht wissen sollte. So habe ich mich zu weiterer Suche nach den „Wahrheiten“ aufgemacht um eine möglichst objektive Sicht auf die gegebene Thematik zu erlangen.
Ich widme mich der tschechisch-deutschen Problematik aus den Jahren 1867 – 1948, also über viele Jahre, natürlich als Amateur. Ich begrüße jede neue Information und bin dankbar für Ihre Website. Sie proklamieren den Ausgleich mit der Aussiedlung, wenn sie wollen Vertreibung, und fordern das gleiche von der tschechischen Seite, und doch ist da und dort herauszuspüren, daß es auch Ihnen noch nicht ganz gelungen ist. Zurecht allerdings fordern sie das, was sie erreicht haben auch von uns Tschechen. Geben Sie uns noch etwas Zeit.
Nach 40 Jahren der Lüge (wie kennzeichnete doch der Reichspropagandaminister eine hundertfach wiederholte Lüge? – Sie wird zur Wahrheit) brauchen wir ihn noch.
Wir erlebten, im Gegensatz zu Ihnen, keine demokratische Nachkriegszeit, sondern erlangten eine jahrzehntelange Deformation des Geschichtsverständnisses. Für mich kann ich feststellen, daß ich mich schon 20 Jahre lang aufrichtig bemühe in diesem Kontext herauszufinden, wie das alles geschehen konnte.
Achtungsvoll Dr.med. Vlastimil Pustina
PS: Ich bekenne, daß mir auf Ihren Seiten etwas fehlt, nämlich eine ausführliche
Passage über die deutsche Juden Brünns.
Er erhielt folgende Antwort:
Vážený pane doktore, je mi líto že už nejsem v stavu odpověděd ve Vašém jazyku ale jistě někoho k přeložením najdete.
Ich antworte Ihnen in meiner Sprache, weil mein letzte Tschechisch- Unterricht schon über 70 Jahre zurückliegt und ich keine Fehler in Ihrer Sprache machen möchte. Sicher finden Sie jemanden zum Übersetzen. Sie haben natürlich recht mit der in Tschechien weit verbreiteten Ansicht, daß wir trotz Vertreibung und Enteignung „das bessere Los“ gezogen haben, weil wir in einer richtigen Demokratie weiterleben konnten und dazu noch mit wirtschaftlichem Erfolg gesegnet waren. Der fiel uns allerdings nicht in den Schoß und mußt hart erarbeitet werden.
Sicher war das Leben in der dortigen kommunistischen Ära auch für manchen Tschechen nicht leicht, für dort verbliebene Deutsche sicher noch weniger. Aber nun haben Sie seit mehr als 20 Jahren die Demokratie. Leider befähigte sie viele Tschechen, vor allem die Politiker nicht zur Umkehr und zu einer Einsicht, zu der man in der Slowakei und in Polen schon lange fähig ist. Aber was nicht ist, kann noch werden. Sie schreiben selbst, daß wir Ihnen noch Zeit geben sollen.
Daß wir bisher, weder auf unserer Website noch in unseren Publikationen, auf das Schicksal der Brünner deutschen Juden eingehen konnten, schmerzt uns sehr. Aber wir haben in Brünn niemanden, der zu der Israelitischen Kultusgemeinde Kontakt, nicht nur aufnehmen sondern pflegen könnte, um mir deren Hilfe das Thema zu bearbeiten.
Immerhin konnte eines unserer Mitglieder ein Büchlein über das Schicksal der südmährischen Juden veröffentlichen.
Lassen Sie sich abschließend ermuntern. weiter an der Herstellung eines korrekten Geschichtsbildes zu arbeiten; und wenn Sie darüber hinaus auch unsere Ansicht weiter verbreiten könnten, daß Bedauern über alles was vorgefallen ist und Ausgleichs-bereitschaft keine Einbahnstraße sind, könnten wir Ihnen danken, so wie Sie sich über unsere Website bedankten.
Mit freundlichen Grüßen e.p.
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Ausbruch aus dem Arbeitslager
Ich bin einer der Überlebenden der grauenvollen Leiden deutscher Menschen während der Nachkriegsmonate 1945 in Brünn. Geboren 1927 in Bonn geriet ich am 27.4.1945 in russisch-tschechische Gefangenschaft, wurde im KZ Kaunitz-Kolleg, dann in Malmeritz eingesperrt. Halbverhungert gelang mir am 9.9.1945 die nächtliche Flucht aus einem Arbeitslager. Am Polarstern orientiert erreichte ich in der vierten Nacht österreichischen Boden, nachdem mir eine junge Grenzlanddeutsche hinüberhalf.
Alles bricht wieder auf in mir, als ich heute im Internet las !
Heribert Kroth, den 12. November 2008
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Meine Gedanken zum Besuch in Brünn im Oktober 2004
Bei der Einweihung des Altvaterturmes auf dem Wetzstein habe ich das erste Mal die Dokumentation über Brünn gesehen und mit großem Interesse gelesen. Wenige Wochen später folgte ich einer Einladung einer ehemalige Studentin aus Tschechien von der Masaryk-Universität in Brünn, die ich im Jahr 2003 beim Sprachkurs Tschechisch in Budweis kennen gelernt habe. Ich hatte ihr einige Monate zuvor bei der Ausarbeitung ihrer deutschen Texte für ihre Diplomarbeit geholfen. Die Broschüre „Das deutsche Brünn“ nahmen wir als Grundlage, um uns über die Geschichte dieser Stadt zu informieren.
Unmittelbar nach der Ankunft mit dem Zug auf dem Brünner Hauptbahnhof besuchten wir die Kathedrale St. Petrus und Paulus. Später lernten wir auch noch das alte Brünner Rathaus und den Spielberg kennen. Insbesondere hat uns die Geschichte vom Brünner Wagenrad, das im alten Rathaus noch heute hängt, gefallen. Diese ist auch bei den Tschechen gut bekannt.
Am nächsten Tag führte sie uns in das neu renovierte Brünner Museum. Auch dort war einiges über die Geschichte der Brünner Deutschtums zu erfahren. So wurden auch alte Einkaufsläden für Lebensmittel mit Beschriftung in deutscher und tschechischer Sprache, wie es sie vor dem Krieg gab, wieder nachgestellt. Aber auch die technischen Leistungen der Brünner Maschinenwerke wurden dem Besucher vorgestellt. Hier konnte man die alten Motore mit der deutschen Aufschrift „Erste Brünner Maschinenfabriks Gesellschaft“ betrachten.
Seit dem Besuch der Fremdsprachenlehrgänge in Budweis in Südböhmen habe ich mehrere tschechische Studentinnen kennen gelernt, denen ich auch bei der Ausarbeitung ihrer deutschen Texte geholfen habe. Insgesamt kann ich einschätzen, dass sich das Verhältnis der Tschechen, insbesondere in der jungen Generation zu den Deutschen grundlegend verbessert hat. Einige von ihnen haben auch einen Teil der Studienzeit in Deutschland verbracht und sind von unserem Land sehr begeistert. Ein anderer Teil der Studentinnen war zumindest während den Sommersemesterferien in Deutschland, England oder auch in den USA, um sich bei der Arbeit als Kellnerin, Putzfrau, Rettungsschwimmer oder Au-pair-Mädchen etwas zu verdienen und sich in der Sprache zu festigen. Die besten können sogar Bücher vom Deutschen in das Tschechische und umkehrt übersetzen oder arbeiteten vertretungsweise im tschechischen Informationszentrum deutscher Großstädte, um deutsche Touristen, die nach Tschechien reisen möchten, zu beraten. Auch bei der Übersetzung von alten Dokumenten aus der Zeit der Jahrhundertwende (wie in tschechischer Handschrift geschriebene Taufscheine) von Heimatvertriebenen bzw. ihren Nachkommen habe ich eine sehr gute Unterstützung erhalten.
Im kommenden Jahr habe ich auch geplant gemeinsam mit tschechischen Freunden den Altvaterturm auf dem Wetzstein zu besuchen. Aber auch ein gemeinsamer Besuch in der Umgebung von Brünn, wie zur Burg Pernstein, nach Austerlitz sowie in die beiden Orte Lednice (Eisgrub) und Valtice (Feldsberg) an der Grenze zu Österreich, die beide zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, stehen auf dem Programm für das Jahr 2005.
Für mich ist es besonders wichtig den Kontakt zur jungen Generation in Tschechien zu halten, denn nur durch das gegenseitige persönliche Kennenlernen ist es möglich, das gute Zusammenleben, wie es in langen Perioden vieler Jahrhunderte zwischen Deutschen und Tschechen in Böhmen und Mähren praktiziert worden ist, schrittweise wieder aufzubauen.
Klaus Sok, den 6. Februar 2005