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Deutsche und Tschechen (2)

 

2. Im tschechoslowakischen Nationalstaat

Hier erscheint eine Vorbemerkung wichtig.

Wir alle wissen, daß die Menschen ihre Ansichten und Meinungen zwar ändern, ihre Überzeugung aber, besonders in den reiferen Jahren, kaum; schon gar nicht, wenn diese Änderung unter Druck erzwungen wird und nicht aus Einsicht erfolgt.

Es wird daher schwer sein, dem tschechischen Geschichtsbild, wie es in den Jahrzehnten seit Ende des 2. Weltkrieges geschrieben und vermittelt wurde, eine andere Sichtweise entgegenzuhalten. Vor dem Hintergrund der "ethnischen Säuberung" Brünns von den Deutschen muß es aber versucht werden.

Die offizielle tschechische Version lautet: Die Deutschen haben unseren Staat (CSR), der auch ihrer sein sollte, verraten und uns an Hitler ausgeliefert. Sie haben es daher nicht verdient, dem neu gegründeten Staate wieder anzugehören.

Was verschwiegen wird, ist die Tatsache, daß die Deutschen diesen Staat von Anfang an gar nicht wollten und 1918 in ihn hineingezwungen wurden, wobei auch vor Waffengewalt nicht zurückgeschreckt wurde. Es ist eine Tatsache, daß sie trotzdem lange, lange Jahre versuchten, ihm loyal zu dienen, z.B. auch mit deutschen Ministern in der Prager Regierung. Und das, obwohl man ihnen ihr Selbstbestimmungsrecht vorenthalten hatte; und trotz der permanenten Benach-teiligungen, die auch in Brünn spürbar waren, wenn auch in wesentlich gemäßigterer Form als in den rein deutschen Randgebieten.

Und was ferner die Wahrheit ist: Die Abtrennung der rein (sudeten-) deutschen Randgebiete erfolgte 1938 auf Empfehlung durch England, Frankreich und Italien, den Verbündeten der Tschechoslowakei, und ohne daß diese konsultiert worden wäre; nicht auf Wunsch der Brünner Deutschen. Auch die Besetzung des tschechoslowakischen Reststaates geht nicht auf den Wunsch der Brünner Deutschen zurück, sondern erfolgte durch Hitler, unter Bruch aller Versprechungen durch einen völkerrechtswidrigen Coup.

Nun aber zur Gründung des tschechoslowakischen Nationalstaates.
Weitblick des Siegers ist nicht festzustellen, man wiederholte das, worunter man in der k.u.k Monarchie gelitten hatte.Und man wiederholte es nicht nur, man übertraf es.
Das Gruppenrecht, das die etwa 6,4 Millionen Tschechen für sich im alten Österreich gefordert hatten, wurde nun den etwa 3,2 Millionen Deutschen verweigert; sie wurden zur "Minderheit", und damit wurde die Gleichberechtigung, wie sie die österreichische Verfassung noch kannte, aufgegeben.

Rašin schrieb 1920 in der Prager "Volksstimme": "Den tschechoslowakischen Staat haben wir uns erkämpft, und er muß ein tschechischer Staat bleiben.... Wir haben nach den Friedensbedingungen das Recht, unsere Angelegenheiten so einzurichten, als ob andere Nationen überhaupt nicht existieren würden".

Auch Äußerungen T.G.Masaryks lassen erkennen, daß er seine früheren Ansichten verleugnete: "Die von den Deutschen bewohnten Gebiete sind unser Gebiet und werden unser bleiben.... Wir haben diesen Staat erstritten, und die staatsrechtliche Stellung unserer Deutschen, die einst als Auswanderer und Kolonisten hierher gekommen sind, ist damit festgelegt".

Man kann allerdings auch anderes lesen.

Emanuel Rádl, Professor an der Prager Karls-Universität, schrieb schon im Jahre 1928: " Die Anerkennung des neuen Staates wurde den Deutschen nicht leicht gemacht. Die herrschende Theorie lehrt, daß der Sinn des Tschechentums im Kampf gegen das Deutschtum liegt, und tatsächlich ist die Politik unserer Republik nach dem Weltkrieg zum großen Teil ein Krieg des Staates gegen die inländische deutsche Bevölkerung. Wie konnten die Deutschen unter diesen Umständen den Staat anerkennen?"

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