AKTUELLES

 

 

 Václav Havel ist tot.

Die tschechische, die deutsche, ja die Presse halb Europas gedachte des Toten und würdigte den Schriftsteller, den Politiker, den Menschen Havel.

Wir wollen all das was geschrieben wurde hier nicht wiederholen, sondern uns auf das konzentrieren, was für die aus ihrer Heimat Vertriebenen, die auch seine Heimat war, wichtig ist. E

in Wort voraus: Václav Havel schätzte zwei Dinge über alles: Die Wahrheit und die Freiheit. Weil er die Freiheit liebte, verabscheute er den Kommunismus, die Inkarnation der Unfreiheit, wurde Mitbegründer der „Charta 77“ und ließ auch die sogenannten Reformkommunisten, die einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ predigten nicht gelten.

Weil er die Wahrheit liebte, bedauerte, ja mißbilligte er die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei. Daß er damit das Tor zu seiner Diffamierung öffnete war voraus zu sehen, kümmerte diesen Aufrechten nicht. Unvergessen soll für jeden Vertriebenen bleiben, was Václav Havel am 17. Feber 1995 in einer Rede an der Prager Karlsuniversität sagte:

"Der einzigartige Verlauf des beinahe tausendjährigen Zusammenlebens der Tschechen und der Deutschen in unserem Lande stellt einen Wert dar, den wir nicht vergessen dürfen."

("Ojedinělý průběh témeř tisíciletého soužití Čechů a Němců v naší zemi představuje hodnotu, na kterou nesmíme zapomínat.")

Daß er unter dem Druck der Öffentlichkeit, sprich: der Kommunistischen Desinformation, später ähnliches nicht mehr auszusprechen wagte, das bleibt verständlich.

Der BHB hatte im Heft 5/1995 kurz über die Rede berichtet. Wir halten es aber für wichtig, Auszüge aus der erwähnten Rede unseren Lesern nicht vor zu enthalten:

Havelrede vom 17.02.95 in der Karlsuniversität
Der erste Teil ist überwiegend sachlich, leicht unterkühlt, aber ohne gravierende Entstellungen - ein historischer Rückblick auf das, wie zugegeben wird, jahrhunderte-lange Zusammenleben von Deutschen und Tschechen.

"Es ist mir eine Freude, meine Bemerkungen an einem Ort tun zu können, der die jahrhundertealte intellektuelle Koexistenz der Tschechen und der Deutschen so deutlich in Erinnerung bringt, wie es anderswo kaum möglich wäre: auf dem akademischen Boden der Karlsuniversität."

"....wird oft verdeckt oder überschattet, daß in der früheren Geschichte eine viel längere Erfahrung gemacht wurde, gekennzeichnet von einer besonderen Art schöpferischen Zusammenlebens der Tschechen und der Deutschen in einem Staatsgebilde".

"Jahrhundertelang waren hier die beiden Elemente - zusammen mit dem jüdischen Element- in vielerlei Hinsicht miteinander vermischt, haben einander inspiriert und beeinflußt, so daß man sogar von einer Art Symbiose sprechen kann."

Überlegungen, die Havel Im weiteren Verlauf seiner Rede äußerte kommentieren wir hier teilweise in eigenen, auch kritischen Worten:

Daß das "Selbstbewußtwerden", das "Selbstbefreiungsstreben" der Tschechen nach einem eigenen Staat zielte, ist vor dem Hintergrund der zerfallenden Habsburger-Monarchie verständlich.

Die Politiker bezogen sich bei ihren Bemühungen um die Gründung eines eigenen Staates, gegenüber den Siegermächten auf die traditionellen, topographisch vorgegebenen Grenzen. Böhmen ringsum von Höhenzügen umgeben, Mähren im Norden durch solche begrenzt, gaben die äußere Form des Staates vor. Durch das Beharren auf diesen "historischen Grenzen" mußten sie freilich in Kauf nehmen, daß diese Randgebiete so gut wie rein deutsch besiedelt waren. Damit aber entstand ein Konfliktpotential, das nur durch eine wirklich großzügige Regelung der Nationalitätenfragen zu lösen gewesen wäre.

Der Konflikt wäre aber auch erspart geblieben, hätte die "Lösung nach Schweizer Muster" Platz gegriffen, die den Siegermächten vorgegaukelt wurde, und die ernsthaft umzusetzen wohl nie beabsichtigt war. Dem stand nämlich das aufgestaute Nationalitätsbewußtsein der Tschechen hindernd im Wege. Sie waren -nach Jahrhunderten- endlich einmal Sieger, bzw. standen auf der Seite der Sieger. Das galt es auszukosten. Da blieb kein Raum für Weitblick und Großmut.

Havel: "Die tschechoslowakische Republik hatte natürlich auch ihre Mängel -z.B. brachte sie nie eine völlig zufriedenstellende Lösung ihrer Nationalitätenprobleme zustande; die Ursache dieser Mängel lag ....in der Unfähigkeit einiger politischer Kräfte, großzügig und im Geiste jener Werte kleine Innenprobleme zu bewältigen, bevor sie von Feinden der Freiheit zu großen Außenproblemen gemacht wurden."

Einzuräumen ist, daß die erste (tschechoslowakische) Republik in der Tat (Havel): ".zusammen mit Frankreich, den heutigen Beneluxländern, der Schweiz und den Staaten Skandinaviens- zu den wenigen wahrhaftig demokratischen und in geordneten Verhältnissen lebenden Staaten des kontinentalen Europas gehörte".

Es folgten in der Rede, das sei nicht verschwiegen auch deutlich deutschkritische Passagen, aber letzten Endes lassen die Schlußpassagen erkennen, wie sehr tief empfundene humanitäre Ansichten den Charakter diese Mannes bestimmten und prägten:

So stellt er anerkennend fest, , daß es „großartig sein, daß viele Nachkommen unserer ehemaligen Mitbürger deutscher Nationalität sich selbstlos und geduldig für die Versöhnung zwischen unserer beiden Völkern einsetzen.“

Das „Münchner Abkommen“ sieht er als ungerechte Lösung, denn es sei schon damals, 1938, weder um die böhmischen Deutschen noch um eine Verstümmelung der Tschechoslowakei gegen; es sei schon damals „der menschlichen Freiheit und Würde der Kampf angesagt worden“; dadurch, so meint er an anderer Stelle, daß so laut nach Hitler gerufen wurde. Daran schließt er eine deutliche Warnung vor einem, wieder erwachendem Nationalismus, sei es hier, sei es dort.

Für einen neu aufzubauenden Weg zwischen unseren beiden Völkern prüft er die Rolle, die der Vergangenheit zuzumessen sei. Genau so wie man diese nicht vergessen könne, sei eine verantwortliche Gemeinschaft ohne solches Wissen unvorstellbar.

Das bedeute aber nicht, daß man sich in die Geschichte zurückversetzen, daß man in die Rolle der Vorfahren schlüpfen müsse, daß man sich stets mit deren Leid und deren Erfolgen zu befassen habe und aus solchen Gefühlen politische Konsequenzen ziehen müsse. Er meint:

Die Vergangenheit kann nicht unser Programm sein. Wir verlören sonst unsere Freiheit, die Vergangenheit mit Abstand zu betrachten, sie verantwortlich zu beurteilen und daraus Lehren zu ziehen. Versetze man sich fortwährend in die Vergangenheit, käme es zu dem Prinzip der endlosen Fortführung der Blutrache.

Von da an bricht wieder der politische Realist in seiner Rede durch, und er hat sicher recht mit der Ansicht, daß man Folgen des 30-jährigen Krieges heute ebenso wenig zu korrigieren vermag, wie eben die Folgen des 2. Weltkrieges, auch wenn der Abstand zu letzterem wesentlich kürzer, die abgeklärte Betrachtung daher schwieriger ist.

Er fordert aber erneut seine Mitbürger auf, über all diese Geschehnisse (und da bezieht er unzweideutig die Vertreibung und Aussiedlung ein) die Wahrheit zu sagen. Das sei ihre Pflicht gegenüber der Welt und gegenüber sich selbst. Es sei von grundlegender Bedeutung für die (geistige) Hygiene der tschechischen Nation und ihres Staates.

Wir wollen hier schließen und glauben die Erinnerung an diese Rede Havel, dem Denker, Dichter Philosophen und Staatsmann schuldig gewesen zu sein. Dem Manne, der sich nicht scheute auch in Richtung seiner eigenen Landsleute Klartext zu sprechen; und das in einer Zeit, da solche Äußerungen gewiß nicht „dem Zeitgeist“ entsprachen.

erich pillwein

  BRUNA Bundesversammlung tagte in Stuttgart
Der unaufhaltsame Wechsel der Generationen macht sich bemerkbar. Zum ersten mal in der 60- jährigen Geschichte der BRUNA steht kein gebürtiger Brunner mehr an der Spitze des Verbandes. Die BRUNA – Hauptversammlung wählte am 30. April 2011

Dr. Rudolf Landrock, Jahrgang 1947

zum neuen Bundesvorsitzenden.
Er tritt damit die Nachfolge von Herrn Karl Walter Ziegler an, der dieses Amt fast 20 Jahre innehatte und der nach dem Willen der Bundesversammlung als

Ehrenvorsitzender

seinem Nachfolger mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. Herr Dr. Landrock tritt sein Amt in einer für die BRUNA äußerst schwierigen Zeit an. Er wird mit seinem Vorstand wichtige Weichenstellungen für die Zukunft der BRUNA vornehmen müssen. Dazu wünschen wir ihm nicht nur Beharrlichkeit und Erfolg, wir werden ihn auch nach Kräften unterstützen. Die Bundesversammlung leitete der stellvertretende Vorsitzende, Herr Erich Wenzel in Abwesenheit von Karl Walter Ziegler, der seine Operation gut überstanden hat und sich derzeit in der Rehabilitation befindet.

 

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